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| 13.03.2009 Vattenfall: Keine Kohlekraft für Berlin |
| Samstag, 14. März 2009 um 08:11 Uhr |
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Der Rückzug von Vattenfall ist ein Rückschlag für die Befürworter von Kohlekraftwerken in Deutschland. Energieriese will auf Einsatz des Brennstoffs bei Großkraftwerk in Rummelsburger Bucht verzichten / Herber Rückschlag für Energieträger Kohle in Deutschland Berlin - Der Energiekonzern Vattenfall hat offenbar seine Pläne aufgegeben, in Berlin-Rummelsburg ein neues, mit Steinkohle befeuertes Kohlekraftwerk zu errichten. Es sollte etwa ab 2014 das derzeitige, mit Braunkohle betriebene Kraftwerk ersetzen. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), sagte, er teile die Einschätzung, dass Vattenfall die Pläne für das Kohlekraftwerk aufgebe. Der Konzern wollte offiziell keine Stellung nehmen. Man arbeite noch an der Endversion eines Energiekonzepts und wolle die Ergebnisse in Kürze vorstellen, sagte Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner gestern der Berliner Zeitung. Auch die Konzernzentrale des Energieversorgers in Schweden lehnte eine Stellungnahme ab. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird aber innerhalb des Konzerns mit einer Abkehr von den Kohleplänen gerechnet. So war in der Vorwoche bei einer Aufsichtsratssitzung der deutschen Vattenfall Europe AG das Thema zur Sprache gekommen. Unternehmenskreise berichteten, eine Entscheidung vom Vorstand sei zwar noch nicht verkündet worden. Es sei aber nochmals deutlich geworden, dass die Vattenfall-Führung die breite öffentliche Ablehnung eines Kohlekraftwerks besorgt zur Kenntnis nehme. In der Kritik steht vor allem der zusätzliche Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids von rund vier Millionen Tonnen des geplanten 800 Megawatt Kraftwerks, der die Klimaziele Berlins zunichte gemacht hätte. Umweltverbände, Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses, die Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) und der Bezirk hatten sich gegen den Kraftwerksbau an der Rummelsburger Bucht im Bezirk Lichtenberg in dieser Dimension ausgesprochen. Anwohner wandten sich vor allem gegen den geplanten Bau eines rund 100 Meter hohen Kühlturms in der neuentstandenen Wohngegend. Grüne und mehrere Umweltverbände hatten Berliner Stromkunden aufgefordert, von Vattenfall zu Ökostromanbietern zu wechseln. Außerdem ist ein Volksbegehren gegen das Kraftwerk in Vorbereitung. Der Grünen-Politiker Michael Schäfer sagte, "der Protest hat gewirkt. Ohne Kohle ist die Tür offen für eine klimagerechte Energieerzeugung in Berlin". Der Rückzug von Vattenfall ist ein Rückschlag für die Befürworter von Kohlekraftwerken in Deutschland. In Hamburg genehmigte der schwarz-grüne Senat zwar den Neubau eines Kohlekraftwerkes in Moorburg, die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk treibt aber mit wasserrechtlichen und anderen Umweltschutzauflagen die Kosten für die Anlage in die Höhe. Vattenfall rechnet in Moorburg derzeit mit 600 Millionen Euro Mehrausgaben. Dem Vernehmen nach will Vattenfall den Standort Rummelsburg, der bislang für die Fernwärmeversorgung im Ostteil Berlins unverzichtbar ist, als Kraftwerkstandort erhalten. Künftig sollen dort auch regenerative Energien, etwa aus Biomasse, eingesetzt werden. Alternativ dazu oder in Kombination soll Heizwärme und Strom auch durch den Neubau beziehungsweise die Aufrüstung bestehender Gasheizkraftwerke erzeugt werden. In Frage käme unter anderem das Kraftwerk Lichterfelde, das aus Altersgründen ohnehin ersetzt werden muss, ebenso das Heizkraftwerk in Marzahn. Der Senat hat Plänen von Vattenfall derzeit substanziell nichts entgegenzusetzen. Ein Gutachten mit einem umfassenden Energiekonzept für Berlin liegt bisher noch nicht vor. (mit jas., jöm.) Berliner Zeitung, 03.03.2009 (von Thomas Rogalla) |